Katastrophenschutzübung

Eine Katastrophenschutzübung, wie es sie vorher noch nie im Landkreis Landshut gegeben hat, wurde im Jahr 2008 am in der Bruckbergerau durchgeführt. Fast 1000 Einsatzkräfte simuliert Freitag und Samstag den Ernstfall: die Bekämpfung eines Isar-Hochwassers am - mit 3,8 Kilometern - längsten Deichabschnitt im Landkreis Landshut. „Die Bruckbergerau könnte bei zukünftigen Hochwassern das schwächste Glied sein.“ mutmaßt Kreisbrandmeister Karl Hahn im Vorfeld. Wie die Übung eindrucksvoll zeigte, braucht einem davor aber nicht Bange sein, denn der Landkreis ist für den Ernstfall gut gerüstet. Natürlich gab es hier und da noch Defiziente. „Diese werden aber bei einer Nachbesprechung erörtert und Verbesserungen formuliert.“, so die Einsatzleitung. „Wir werden uns unseren Fehlern lernen.“, erklärt der Örtliche Einsatzleiter (ÖEL) Kreisbrandinspektor Karl Gruber. Bereits am Freitagmorgen war die Übung angelaufen. Das Wasserwirtschaftsamt übermittelte ans Landsratsamt ständig steigende Pegel bis irgendwann mit einer Überflutung der Bruckbergerau im Laufe des Samstag gerechnet werden musste. Daraufhin rief Landrat Josef Eppeneder um 10.36 Uhr den Katastrophenalarm aus und im Landratsamt wurde die Führungsgruppe Katastrophenschutz gebildet. Die Landkreisführung der Feuerwehr sorgte vor Ort für den Aufbau der nötigen Infrastruktur. Die Aufgabe der zusätzlich alarmierten Ortsfeuerwehren von Bruckberg war es, mit dem Abfüllen der Sandsäcke zu beginnen. Bis zum späten Nachmittag hatten 130 Einsatzkräfte bereits 4900 Sandsäcke vorbereitet. Mit Lastwägen der Gemeinde Bruckberg und mit Traktoren benachbarter Landwirte wurden diese schließlich an die Einsatzstellen am Deich gebracht. Am Samstag begann dann die eigentliche Übung: Unter der Leitung von Kreisbrandinspektor (KBI) Karl Gruber und den fünf Kreisbrandmeistern des Inspektionsbericht Mitte wurden auch die Einsatzkräfte der 61 Feuerwehren aus dem Brandbezirk Mitte darin geschult, wie Sandsäcke ordnungsgemäß gefüllt, verschlossen und verladen werden. Am Sandsackabfüllplatz bildeten sie dazu Gruppen von sieben Personen. „Es hat sich als sehr effizient erwiesen mit Gruppen von jeweils sieben Mann zu arbeiten.“, berichtete Einsatzleiter Karl Gruber. Die Sandsäcke, von denen einer zwischen 15 und 20 kg wiegt, wurden dabei von Hand befüllt (das hat sich als schnellste Lösung erwiesen) und dann zu jeweils 70 Stück auf Paletten gelagert. Insgesamt konnte der Deich mit rund 100 Kubikmeter Sand (das entspricht rund 6000 Sandsäcken) befestigt werden. Jeder der ehrenamtlichen Helfer musste anschließend noch drei weitere Stationen durchlaufen: die Deichbefestigung, den Bau einer Quellkarde und die Deicherhöhung. Die Einsatzkräfte des THW übten ihrerseits den Verschluss einer Autobahnunterführung mit sogenannten „Big Bags“. Das sind überdimensionale Sandsäcke, die gewissermaßen das letzte natürliche Loch im Deich verschließen sollten. Das Wasserwirtschaftsamt spielte dem Landratsamt und der örtlichen Einsatzleitung dabei den ganzen Tag über neue Szenarien zu. So kam gegen Mittag überraschend ein Polizeihubschrauber zum Einsatz der im Ernstfall für Deichbeobachtungen herangezogen würde. Auf dem Bereitstellungsplatz sorgte derweil das THW für die Verpflegung der Einsatzkräfte und der Malteser Hilfsdienst stellte die ärztliche Versorgung sicher. Landrat Josef Eppeneder machte sich Samstagvormittag persönlich ein Bild von der Lage vor Ort. Eigentlich hätte er zur selben Zeit bei der Einweihung der neuen Bahnstrecke Mühldorf-Landshut sein sollen, doch ihm war diese Katastrophenschutzübung wichtiger. In seiner Rede vor Verantwortlichen der verschiedenen Hilfsorganisationen und Pressevertretern dankte er der Einsatzleitung und allen Hilfskräften für ihren Einsatz, der keineswegs selbstverständlich sei. Landrat Josef Eppeneder zeigte sich erfreut über den Verlauf der Übung: „Ich bin von Anfang an regelmäßig über den aktuellen Stand informiert worden und freue mich bisher nur gute Mitteilungen erhalten zu haben.“ Kein Wunder bei der Dimension dieser Katastrophenschutzübung, dass die Vorbereitung einem Marathon glich. Der Führungsstab, der aus rund 20 Personen bestand und seit einem Jahr mit Planungsarbeiten beschäftigt war hielt beispielsweise mehr als 10 Sitzungen ab. In die Übung involviert waren neben den Einsatzkräften von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Malteserhilfsdienst auch das Wasserwirtschaftsamt Landshut, das Landratsamt Landshut, die Regierung von Niederbayern und die Gemeinde Bruckberg. Aber die mühevolle Arbeit hat sich sicherlich gelohnt. Alle Beteiligten konnten wichtige Erkenntnisse für eine effektive Hochwasserbekämpfung sammeln. Gemeinsam mit den Beobachtern der Regierung von Niederbayern und aus dem Landkreis Freising werden diese in die bisher nur auf dem Papier vorhandenen Einsatzpläne eingearbeitet.

Test: Thomas Gärtner